Internet-Börsen bieten zig Lehrplätze / Firmenmesse in Oberschule schwach besucht

Erstellt von Alexander Engels || Berufsorientierung 

AUSBILDUNG: Viele Stellen – müde Bewerber

JÜTERBOG - Benedikts Antwort ist fast symptomatisch. „Ich wurde hierher geschleift“, sagt er, verschämt grinsend, auf die Frage, warum er zur Ausbildungsplatzbörse der Jüterboger Wiesenoberschule gekommen ist. Hätten seine Eltern den Zehntklässler nicht ans Händchen genommen, hätte er eine Chance verpasst, sich über gute Jobs zu informieren. Immerhin hat er schon einen Platz am Oberstufenzentrum, wo er erstmal das Fachabitur macht.

Doch offenbar sind die engagierten Eltern in der Minderheit. Schulleiter Ralf Mund ist etwas ernüchtert über das verhaltene Interesse an der kleinen Lehrplatz-Börse. Gerade mal 25 Teilnehmer zählte die Auftakt-Informationsrunde. Ein paar junge Interessenten trudeln später noch ein. Dabei ist der Parkplatz voll. „Die wollen alle zur Blutspende, die heute auch bei uns stattfindet“, sagt Mund. Seine Schule erhält in zwei Wochen die Auszeichnung „Schule mit hervorragender Berufsorientierung“. „Ich wünschte, ich könnte bei der Zeugnisübergabe am 18. Juni schon sagen, dass alle Schüler einen Ausbildungsplatz sicher haben.“

Jedes Jahr lädt die Wiesenschule Unternehmen und Bildungsträger ein, um sich vor den Schülern zu präsentieren. 15 sind es dieses Mal vom Handwerker bis zum Seniorenheim, von der Forst bis zum Industrieunternehmen. Auch die Arbeitsagentur ist dabei – mancher braucht eben Amtshilfe.

Die Schüler sind aus den Klassen acht bis zehn. Auch die Gymnasiastin Jasmin Heller ist dabei. Ihre Suche gehe „eher in die soziale Richtung“, auch wenn sie gerade von Oberleutnant Nils-Ole Raßmus etwas über die neue Freiwilligenarmee erfährt. „Ich will mich früh informieren, was ich nach dem Abitur machen kann“, sagt sie.

Dass man sich früh bemühen muss, wird bei der Schaeffler KG deutlich. „Für dieses Jahr sind längst alle Plätze vergeben“, sagt Ausbilder Andreas Helfer. Zehn Stellen für Industriemechaniker-Azubis seien jährlich zu vergeben. „Dafür bewirbt man sich mit dem Zeugnis der 9. Klasse.“

Gute Noten in Mathe und Physik seien wichtig, meint nicht der Ausbilder, sondern sagen seine Lehrlinge Frank Mühlfriedel, der mal Winzer werden wollte, und Florian Weisbrodt. „Die Berufsschule baut auf dem Wissen auf und wiederholt fast nichts“, berichten sie. Doch das Niveau sinke, berichtet Andreas Helfer. Schaeffler bietet daher auch die verkürzte Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer aus. „Wenn man sich bewährt, kann man danach aufsatteln.“

Wer für später einen Beruf sucht, fand auch Anregungen. Als Versicherungskaufmann sollte man volljährig sein. „Dann ist man reifer“, sagt Robert Dalichow, selbst Azubi bei der Debeka in der zweiten Berufslaufbahn, „schließlich muss man mit dem Geld fremder Menschen umgehen.“ Seine Branche kämpft mit den geburtenschwachen Jahrgängen. Deshalb habe die Versicherung Quereinsteiger-Programme für Berufswechsler aufgelegt.

Selten waren die Lehrplatz-Börsen zu dieser Zeit im Jahr noch so voll. Die Industrie- und Handelskammer Potsdam hat noch 727 Plätze in 84 Berufen für 2011 in ihrer Online-Liste. Bei den Handwerkskammern Cottbus und Potsdam sind es noch gut 2.000 Möglichkeiten.
Quelle: MAZ, Jüterboger Echov. 09.06.2011, Autor: Alexander Engels

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